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PROMOVIERENDENTAGE zur deutsch-deutschen Zeitgeschichte
Methoden, Inhalte und Techniken im Umgang mit Streitgeschichte

Peter Römer

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Peter Roemer

Kurzbiographie


Jahrgang:
1984

E-Mail:
peter_roemer[at]hamburg.de

Promotionsort:
Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Studienabschlussfach:
Neuere und Neueste Geschichte

Promotionsbeginn:
2010



Vorstellung des Promotionsthemas


Aufarbeitung – nicht nur ein nationaler Auftrag

„Angela Merkel und die Polen verbindet eine spektakuläre Schicksalsgemeinschaft.“ Marek Prawda, polnischer Botschafter in Berlin skizziert so eine mögliche Werte-Basis der deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Hierzu gehört eine verflochtene Vergangenheit ebenso wie die Nachgeschichte des gemeinsam erlebten Umbruchs 1989. Warum also wurde bisher die Aufarbeitung des Staatssozialismus für jedes Land isoliert betrachtet?

Peter Römer analysiert in seiner Arbeit den Aufarbeitungsprozess in Deutschland und Polen beziehungsgeschichtlich. Beide Länder teilen nicht nur die staatssozialistische Vergangenheit, sondern auch eine jahrhundertelange Geschichte, die oft genug vom Feindbild des anderen bestimmt worden ist. Bis heute entspringt aus der Vergangenheit ein Spannungsverhältnis.

Der jeweilige Umgang mit dem kommunistischen Erbe ist doppelt beeinflusst worden: Von einer nationalen und einer grenzübergreifenden Erinnerungskultur. Genau diese änderte sich jedoch in den 90er Jahren grundlegend: Die Erinnerung an Schuld statt kollektives Vergessen gilt global nun als Grundlage einer Koexistenz zwischen Opfern und Tätern. Diese Veränderung wurde auch von den Aufarbeitenden selbst beeinflusst, die das Verhältnis zwischen Opfern und Tätern neu aushandelten. Von unten gebildete Erinnerungskultur und von oben bestimmte Geschichtspolitik treten so in eine ständige Wechselbeziehung. Die national gedachten Aufarbeitungsformen beeinflussen daher eine langsam entstehende grenzüberschreitende Erinnerungskultur.

Die Diskussionen über das Ob und Wie der Aufarbeitung betrachtet Römer mit Blick auf die politischen Akteure. Die Aufarbeitung in beiden Ländern wird als ein in wechselnder Heftigkeit umstrittener Prozess dargestellt. In dessen Verlauf diente das Nachbarland als Kontrastfolie. Die beiden zunächst komplett unterschiedlichen Aufarbeitungsformen glichen sich mit der Zeit immer weiter an. Die Verläufe zu Beginn der 90er Jahre waren zwar nationalen Besonderheiten geschuldet – als dominant erwies sich jedoch ein grenzüberschreitender Rahmen, der von den Aufarbeitungsprozessen mit geprägt worden ist. Dies macht Hoffnung auf eine Zukunft der Verständigung über Vergangenheitsbilder zweier Nationen, deren größter Reibungspunkt lange eine unterschiedliche Sichtweise der Geschichte war.

Peter Römer, geboren 1984, studierte Politikwissenschaft, Neuere und Neueste Geschichte und Öffentliches Recht in Münster und Warschau. Er erlangte 2010 seinen Magisterabschluss mit einer Arbeit über die Geschichtspolitik der polnischen Partei „Recht und Gerechtigkeit.“




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