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PROMOVIERENDENTAGE zur deutsch-deutschen Zeitgeschichte
Methoden, Inhalte und Techniken im Umgang mit Streitgeschichte

Steffen Otte

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Steffen Otte

Kurzbiographie


Jahrgang:
1978

E-Mail:
o.t.t.i[at]gmx.de

Promotionsort:
Universität Hamburg

Studienabschlussfach:
Geschichte, Politische Wissenschaft

Promotionsbeginn:
2010

Finanzierung der Promotion:
Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung



Vorstellung des Promotionsthemas


Die graue Ära Ulbricht – die soziale Lage der Rentnerinnen und Rentner in der DDR zwischen 1949 und 1971

Vielen erscheint der „Sozialstaat DDR“ im Rückblick wieder positiver. Dies gilt gerade in Zeiten harter sozialer Einschnitte. Stand doch in der DDR der Mensch im Vordergrund der Sozialpolitik. Aber entspricht dieses Bild der Realität? Oder steckten nicht auch in der DDR wirtschaftliche Interessen hinter der Sozialpolitik? Eine populäre These der Wissenschaft lautet, dass die Sozialpolitik in erster Linie die Arbeitskraft stärken sollte und damit die Produktivität der Staatswirtschaft. Man spricht hierbei vom „workfare state“. Welche Folgen hatte eine solche Sozialpolitik für Menschen, die außerhalb der Wirtschaft standen?

Zu diesen gehörten auch die Rentner, deren wirtschaftliches Potential als Arbeitskraft bereits abgeschöpft war. Sie stellten etwa 20 Prozent der DDR-Bevölkerung. Eine Untersuchung der Lebenssituation der „Alten“ ist die naheliegende Gegenprobe für die These vom „workfare state“. Diese vollzieht der 1978 in der DDR geborene Historiker Steffen Otte.

Der Autor wählt fünf Zugänge, um die Wirkungen der Sozialpolitik auf den Alltag der DDR-Rentnerinnen und Rentner zu untersuchen. Das sind die Einkommenssituation der Rentner, deren Wohnverhältnisse und Konsumverhalten, die Betreuungssituation durch das Gesundheits- und Sozialwesen der DDR, die gesellschaftspolitische Einbindung in die Partei- und Massenorganisationen sowie die Rolle der Rentner in den Familien. Das Ergebnis ist eine Bewertung der Stellung der Rentner in der Gesellschaft, welche direkt wirkt auf das Gesamtbild der DDR-Sozialstaatlichkeit. 

Um dem umfassenden Ansatz der Arbeit gerecht zu werden, hat der Autor sie regional eingegrenzt, und zwar auf die ehemaligen Bezirke Leipzig und Schwerin. Mit dem Bezirk Leipzig wird eine stark von der Industrie geprägte Region behandelt. Im Bezirk Schwerin hingegen herrschte die Landwirtschaft vor. Somit werden auch mögliche Unterschiede der Lage der Rentner innerhalb der DDR untersucht.

Steffen Otte setzt jedoch nicht nur regionale Schwerpunkte, sondern auch einen zeitlichen. Er betrachtet ausschließlich die Ära Ulbricht, also die Jahre 1949 bis 1971. In dieser Zeit fällt der Umbau sozialstaatlicher Einrichtungen. Diese trugen direkt nach dem Krieg noch die Züge der Kaiserzeit. Zum Ende der Ära Ulbricht war die Entwicklung des sozialen Netzes dann nahezu abgeschlossen.

Die Arbeit zeigt, dass die Sozialpolitik der DDR bis 1971 keineswegs nur den Menschen als Mittelpunkt hatte, sondern vielmehr die Entwicklung der Wirtschaft. Die These des „workfare state“ wird damit für die Ära Ulbricht bestätigt. Abschließend ergibt sich die Frage, ob und wie sich der Charakter der Sozialpolitik unter Honecker entwickelt hat.




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