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PROMOVIERENDENTAGE zur deutsch-deutschen Zeitgeschichte
Methoden, Inhalte und Techniken im Umgang mit Streitgeschichte

Michael Kuhlmann

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Michael Kuhlmann

Kurzbiographie


Jahrgang:
1967

E-Mail:
rua.kuhlmann[at]t-online.de

Promotionsort:
Münster

Studienabschlussfach:
Neuere und Mittlere Geschichte, Politikwissenschaft

Promotionsbeginn:
2004


Vorstellung des Promotionsthemas


„Rotfunk für Jugendliche!“ – Die Sendung Radiothek im WDR

Sie heißen Zündfunk, Pop-Shop oder R-u-m-m-m-s; den größten Wirbel verbreitet aber die Radiothek. Von 1974 bis 1980 ist sie die Jugendsendung des Westdeutschen Rundfunks Köln. Ihre Moderatoren – wie Mal Sondock, Dave Colman, Winfried Trenkler oder Tom Schroeder – genießen unter Fans bis heute Kultstatus. Jeder zweite Jugendliche hört die Radiothek 1976 regelmäßig. Noch drei Jahre nach ihrem Ende gehen wütende Hörerbriefe ein. Sie gilt den einen als „rot unterwandert“ und verfassungsfeindlich, den anderen als demokratisches Radio der Zukunft.

Wo vorher Leichte Musik und Hausfrauenfunk liefen, gibt es plötzlich Pop und Politik, Rock und Reportagen: über selbstverwaltete Jugendzentren, über Kriegsdienstverweigerer und den Paragraphen 218; die Sendung attackiert die Konsumgesellschaft und stellt sich gegen das Establishment. Sie tut das nicht in Worten des Feuilletons – es sind die Jugendlichen selbst, die sich in der Radiothek zu Wort melden, frech und ungeschminkt.

„Achtundsechzig“ liegt nur wenige Jahre zurück, die Stimmung zwischen den Generationen ist immer noch gespannt; und so laufen Politiker und Presse, katholische Kirche und Arbeitgeber Sturm gegen die Radiothek. Die Aufsichtsgremien des WDR nehmen die Redakteure systematisch ins Visier. Im nordrhein-westfälischen Landtag gehen die Wogen hoch. Schließlich zeigen selbst die mit allen Wassern gewaschenen Spitzen des WDR Nerven.

Denn die Radiothek bleibt aufmüpfig, mitunter tendenziös, wird oft mit heißer Nadel gestrickt. Ihre Stärken geraten beinahe in Vergessenheit: Sie bringt fundierte Information und Service – zu Berufswahl und Beziehungsstreß, zu Politik und Zeitgeschichte.

Trotz allen Gegenwindes: Die Jugendredakteure geben nicht nach. Lange deckt sie ein liberaler Hörfunkdirektor. Dann aber behandeln sie angriffslustiger denn je zwei brisante Themen: Jugendarbeitslosigkeit und Radikalenerlaß. Und nun drohen sie ihren mächtigen Fürsprecher zu verlieren. Da machen die Anhänger der Sendung mobil: In Nordrhein-Westfalen gründen sie Radiothek-Initiativen; sie sammeln Unterschriften, veranstalten Podiumsdebatten und organisieren Demonstrationen. Nach einer besonders skandalträchtigen Sendung wird der verantwortliche Redakteur gefeuert – doch die Debatte kommt damit noch einmal richtig in Gang.

Michael Kuhlmann ist in die Archive des WDR gestiegen; er hat Sendebänder gehört, senderinterne Korrespondenzen gelesen und mit Zeitzeugen gesprochen. Ein Rückblick auf die Medien und die Jugendkultur der 70er Jahre – einer Epoche, in der politisches Jugendradio die Republik bewegen konnte.




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