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PROMOVIERENDENTAGE zur deutsch-deutschen Zeitgeschichte
Methoden, Inhalte und Techniken im Umgang mit Streitgeschichte

Anke Geier

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Anke Geier

Kurzbiographie


E-Mail:
Anke.Geier[at]iwtg.tu-freiberg.de

Promotionsort:
TU Bergakademie Freiberg

Studienabschlussfach:
Neuere und Neueste Geschichte

Promotionsbeginn:
2009

Finanzierung der Promotion:
Beschäftigt an der TU Bergakademie Freiberg, Institut für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte


Vorstellung des Promotionsthemas


Planwirtschaft gleich Planwissenschaft gleich Bergakademie? Der Konnex Wirtschaft und Wissenschaft an der Bergakademie in den Jahren von 1945 bis 1990.

Kohle und Eisen. Diese Ressourcen waren in der DDR rar und von enormer Bedeutung. Nach dem Krieg erschwerten Rohstoffsorgen den Aufbau eines dem Westen vermeintlich überlegenen Systems. Als Ultima ratio wurde die Planwirtschaft eingeführt. Ab 1949 belebten die Wirtschaftspläne vor allem die Grundstoffindustrie, wodurch die Bergakademie profitierte.

Ein entwickeltes montanwissenschaftliches Profil und die enge sowie traditionelle Zusammenarbeit mit der Industrie ließen gerade die Bergakademie Freiberg als Garant für die geforderte Ausrichtung der Hochschulen auf die Volkswirtschaft erscheinen. Sie gestaltete Ausbildung und Forschung im Bereich der Montanwissenschaften. So waren nahezu alle Fachbereiche der Hochschule in die Erkundung, Gewinnung und Weiterverarbeitung der Rohstoffe Kohle und Eisen eingebunden.

Dennoch konnte die Bergakademie der Volkswirtschaft keine entscheidenden Impulse in Form von praxisrelevanten Forschungsergebnissen liefern. Die DDR blieb wirtschaftlich und technisch weit hinter dem Westen zurück. Woran lag es?

Die Studie gibt eine Antwort. Die Autorin erhellt am Beispiel der Bergakademie die verschiedenen Phasen der Wissenschafts- und Wirtschaftsentwicklung in der DDR. Sie veranschaulicht hierbei die zunehmende Indienstnahme der Hochschule für volkswirtschaftliche Belange zwischen 1945 und 1990. Die enger werdende Verflechtung belegt sie in der Ausweitung der Vertragsforschung, der an Bedarfszahlen orientierten Zulassung zum Studium, der durchgeplanten Absolventenvermittlung in die Betriebe und Kombinate der Grundstoffindustrie und unter anderem an der Anpassung der Fachkräfteausbildung an veränderte Anforderungen der Wirtschaft. Mit der Arbeit wird die These Mitchell G. Ashs illustriert, dass Wissenschaftssystem und Planwirtschaft aufgrund ihrer engen Verflechtung gemeinsam ihren Niedergang erlebten.

Von Interesse ist das Beziehungsgeflecht Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Aufgezeigt werden Einflussmöglichkeiten der Freiberger Wissenschaftler im Forschungsrat und in den Zentralen Arbeitskreisen. In den wissenschaftspolitischen Gremien agierten die Wissenschaftler im Wechselspiel von eigenem Forschungsinteresse und volkswirtschaftlichen Anforderungen.
Die Verfasserin präsentiert neue Erkenntnisse zur Forschungsplanung von oben und der Umsetzung an der Hochschule unten. Sie zeigt, wie die Wissenschaftsfreiheit in der DDR zunehmend beschränkt wurde. Die facettenreiche Untersuchung reiht sich ein in die Aufarbeitung der Freiberger Hochschulgeschichte im Rahmen des 250-jährigen Hochschuljubiläums 2015. Anke Geier hat Neuere und Neueste Geschichte studiert und lebt in Dresden.


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