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PROMOVIERENDENTAGE zur deutsch-deutschen Zeitgeschichte
Methoden, Inhalte und Techniken im Umgang mit Streitgeschichte

Ronald Funke

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Ronald Funke

Kurzbiographie


Jahrgang
1982

E-Mail:
ronald.funke[at]gmail.com

Promotionsort:
Justus-Liebig-Universität Gießen

Studienabschlussfach:
Geschichte

Promotionsbeginn:
2009

Finanzierung der Promotion:
Beschäftigt an der Justus-Liebig-Universität Gießen, Fachjournalistik Geschichte


Vorstellung des Promotionsthemas


Glauben wir, was wir sehen, oder sehen wir, was wir glauben – der Blick des Fernsehens auf die Kirche, der Blick der Kirche auf das Fernsehen und was Blicke alles bewirken können


2010 durchlebte die katholische Kirche in Deutschland eine der schwersten Krisen ihrer Geschichte. Ohne Zweifel wurde sie jedoch nicht erschüttert von den einzelnen Missbrauchsfällen selbst, sondern durch die Berichterstattung der Massenmedien und dem von ihnen entworfenen Bild der Kirche als einer Institution, die moralisch versagt.

Auch in der Vergangenheit bildeten die Medien kirchliche Vorgänge nicht bloß ab, sondern prägten sie durch ihre Berichterstattung. So beeinflusst die mediale Darstellung und Bewertung den Verlauf von innerkirchlichen Diskussions- und Wandlungsprozessen wesentlich.

Der vorliegende Band des Historikers und Medienwissenschaftlers Ronald Funke belegt dies für die Zeit zwischen 1960 und 1980 am damals einflussreichsten Massenmedium: dem Fernsehen. Es brachte Unterhaltung und Informationen in die deutschen Wohnzimmer. Was außerhalb der eigenen Lebenswelt stattfand, wurde über den Bildschirm wahrgenommen. Auf der Fernsehcouch saß dabei eine Gesellschaft, die nach dem Zweiten Weltkrieg von Religionslosigkeit geprägt zu sein schien. Die Großkirchen verloren dramatisch viele Mitglieder und an moralischer Autorität. Die Religionsgruppen und Kirchen begannen nach neuen Wegen bei Verkündigung, Gemeindearbeit und Gottesdienstgestaltung zu suchen sowie die traditionelle Seelsorge auf neue gesellschaftliche Rollen- und Handlungsfelder auszudehnen. Diese kontroversen Entwicklungen wurden stets begleitet von innerkirchlichen Diskussionen – und dem Blick der Fernsehkameras.

Denn das ›Fenster zur Welt‹ erwies sich nun zugleich als ›Teleskop auf die Kirchen‹. Nicht hinter verschlossenen Türen, sondern vor den Augen der Zuschauer rangen Konservative und Reformer, hatten neue Formen der Verkündigung Erfolg oder scheiterten, wurden Traditionen in Frage gestellt oder bewahrt. Wesentliche innerkirchliche Debatten, Konflikte und Veränderungsprozesse nahmen die Menschen vor allem übers Fernsehen wahr. Damit beeinflussten mediale Inszenierungen, Deutungen und Kommentare die Einstellungen und Urteile der Zuschauer und prägten die religiöse Entwicklung. Doch geschah dies keineswegs einseitig. Denn die Kirchen beeinflussten ihrerseits das Fernsehen und das darin gezeigte Bild von Kirche und Religion: über Sitze in Rundfunkgremien, Fernsehbeauftragte, rechtlich garantierte Sendezeiten und eigene Produktionsgesellschaften.

Dargestellt und analysiert wird dies an religiösen Selbst- und Fremdinszenierungen in Informations- und Politmagazinen, Dokumentationen, Reportagen, Diskussionsrunden, Fernsehfilmen und Spielserien.




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