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PROMOVIERENDENTAGE zur deutsch-deutschen Zeitgeschichte
Methoden, Inhalte und Techniken im Umgang mit Streitgeschichte

Jana Ebeling

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Jana Ebeling

Kurzbiographie


E-Mail:
jana-ebeling[at]gmx.de

Promotionsort:
Justus-Liebig-Universität Gießen

Studienabschlussfach:
Neuere und Neueste Geschichte

Promotionsbeginn:
2009


Vorstellung des Promotionsthemas


Zeit für Veränderung!

Was ist Religion? Wer bestimmt darüber, und was hat die Kirche damit zu tun? Im Jahr 2010 scheinen diese Fragen für die meisten Bürger der Bundesrepublik Deutschland weitgehend geklärt. Kirche, das ist der Papst oder Frau Käßmann, ist Streit um Ethik, Moral und Religionsunterricht. Religion ist ein Versprechen: Orientierung in einer unüberschaubaren Welt, überirdische und unbestimmte Hoffnung. Feste Standpunkte, höhere Ziele und Werte, wie sie sonst kaum noch zu finden sind in unserer entzauberten Welt. Sie beschert das gute Gefühl, das „da noch etwas ist“ – ob nun nach dem Tod das Fegefeuer und anschließend Himmel oder Hölle, die Wiedergeburt, das Nirvana oder das Nichts warten. Auf jeden Fall ist „Religion“ ein einklagbares Menschenrecht. Und Privatsache! Auch wenn die eigene Einstellung gern öffentlich kundgetan werden darf. Insofern kann Religion gern auch „politisch“ werden: indem sich Personen des öffentlichen Lebens aus religiösen Gründen für oder gegen etwas einsetzen – solange dabei die grundsätzliche Trennung von Kirche und Staat gewährleistet bleibt und die Kirchenleute nicht zu viel Einfluss erlangen.

Das war einmal alles anders. Noch vor gut 65 Jahren ging die Mehrheit der bundesdeutschen Bevölkerung am Sonntag in die Kirche. Sie betete, heiratete und blieb verheiratet. Kinder bekam man erst nach der Eheschließung, und die Frau war dem Manne untertan und blieb im Haus. Die eigene Konfession beschränkte die Auswahl an möglichen Partnern, wählbaren Parteien und vertretbaren, ewigen Werten. Die Kirchen bestimmten mit, was wann im Radio und Fernsehen gesendet werden und ob ein Journalist über sie schreiben oder eine Lehrerin Kinder unterrichten durfte. Ob es um Eheschließung oder -scheidung, Sexualität und Verhütung, Atomkraft und Wiederbewaffnung oder das Verhältnis zu anderen Staaten ging, ob privat oder hochpolitisch: die Kirchen hatten dazu eine Meinung und taten sie mit Nachdruck und „Weisungsbefugnis“ kund. So, wie es „immer“ gewesen war.

Was ist in den paar Jahrzehnten seither geschehen? Wie konnte sich so viel ändern in so kurzer Zeit? Und wie gehören die Medien in das Bild? Zeitungen, Zeitschriften, Radio, Fernsehen: sie sind Teil der Veränderungen, die sie begleitet haben. Ohne sie wären persönliche wie politische Vorgänge nach 1945 und vor allem in der Zeit der großen „Bewegungen“, in den 1970er Jahren, nicht denkbar gewesen. Haben sie also die Kirchen, die Religion verdrängt und ihre Aufgaben übernommen – oder im Gegenteil ihren Einfluss gestärkt und sie mächtiger denn je gemacht? Das Ringen von Kirchen, Politik und der „vierten Gewalt“ miteinander, das sich in den Jahren nach „1968“ Bahn brach, bestimmt unsere Gesellschaft bis heute. Darum geht es in dieser Arbeit.




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