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PROMOVIERENDENTAGE zur deutsch-deutschen Zeitgeschichte
Methoden, Inhalte und Techniken im Umgang mit Streitgeschichte

Claudia Baumann

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Claudia Baumann

Kurzbiographie


E-Mail:
baumann[at]mpier.uni-frankfurt.de

Promotionsort:
MPIeR Frankfurt

Studienabschlussfach:
Neuere und Neueste Geschichte (M.A.), Jura (Staatsexamen)

Promotionsbeginn:
2010


Vorstellung des Promotionsthemas


Anerkennungslos? Der deutsch-deutsche Streit um die Staatsangehörigkeit


Wer ist Ausländer? Wer ist Deutsche? Wer darf wählen und gewählt werden? Wer kann zum Wehrdienst herangezogen werden? Wer erhält einen Pass?

Fragen wie diese sind geknüpft an das Rechtsinstitut der Staatsangehörigkeit. Die Frage nach dem „Deutschsein“ war während der Zeit, in der es zwei deutsche Staaten gab, besonders schwierig zu beantworten.

Juristen sowohl in der DDR als auch in der BRD entwarfen Antworten auf diese Frage. Diese widersprachen sich jedoch grundlegend: In der BRD ging man von einer Kontinuität des Deutschen Reiches aus. Deutschland sei als völkerrechtliches Subjekt nicht untergegangen. Die deutsche Teilung stelle lediglich eine provisorische Organisationsform dar. Dies erkenne man vor allem an der einheitlichen deutschen Staatsangehörigkeit. An diesem Konzept hielten die meisten Juristen und Politiker bis 1990  fest, zumindest rhetorisch. Sie stützten sich seit 1973 auch auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Grundlagenvertrag.

Dagegen vertrat man in der DDR die Auffassung, Deutschland sei als völkerrechtliches Subjekt am 8. Mai 1945 untergegangen. An dessen Stelle seien 1949 zwei neue Staaten entstanden – die BRD und die DDR.

Im Februar 1967 trat das Staatsbürgerschaftsgesetz der DDR in Kraft. Bis dahin hatte das Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz von 1913 mit wenigen Änderungen gegolten. In der BRD galt es sogar bis 1999/2000. Autoren in der BRD werteten das neue Gesetz als Bruch, als Abwendung von einer einheitlichen deutschen Staatsangehörigkeit. Im Widerspruch dazu betonte man in der DDR, ein bereits bestehender Rechtszustand – zwei getrennte Staatsbürgerschaften – sei lediglich gesetzlich festgeschrieben worden.

Mit welchen Argumenten begründeten die Autoren ihre jeweiligen Auffassungen? Welches Verständnis von Staat, Gesellschaft und Individuum sowie von Recht und Politik zeigt sich in den Begründungen? Diese Fragen stehen im Fokus dieser rechtshistorischen Betrachtung. Die Verfasserin legt die Antworten und ihre Widersprüche offen.

Sie kommt in der Untersuchung zu dem Ergebnis, dass die Darstellungen sowohl in der BRD als auch in der DDR gekennzeichnet sind von einem intensiven Blick auf den jeweils anderen.  Die Autoren distanzierten sich von der „anderen“ Sichtweise, um die eigene Position zu stärken und die Richtigkeit oder gar Überlegenheit der eigenen Auffassung zu betonen. Besonderen Wert legt Claudia Baumann auf die wechselseitigen Bezugnahmen in der juristischen Fachliteratur, welche die Quellenbasis der Untersuchung bildet.

Da die Staatsangehörigkeit mit zahlreichen weiteren Politikfeldern wie der Ausländer- und Geschlechterpolitik verknüpft ist, bezieht diese Untersuchung auch diese Bereiche mit ein. So entsteht ein facettenreiches Bild der Beziehung zwischen BRD und DDR.




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